Stadt Ditzingen

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Kulturprojekte

Das Kunstprojekt in Ditzingen

Unter Beobachtung - Kunst des Rückzugs vom 25. - 18.10.2020

Vor dem Hintergrund einer immer transparenter werdenden Gesellschaft untersucht die KulturRegion Stuttgart die changierende – oder sich sogar auflösende – Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. In diesem Spannungsfeld beschäftigt sich das Projekt mit wichtigen aktuellen Themen wie der Überwachung im öffentlichen Raum, Datenspeicherung und Datenklau, sozialen Medien und ständiger Verfügbarkeit sowie Strategien des Rückzugs.

Gibt es noch Rückzugsorte, um sich als Individuum zu schützen und zu behaupten? Wo sind die Refugien, Idyllen oder Freiräume, in denen wir Zuflucht finden? Können Kunst und Kultur solche Rückzugsmöglichkeiten sein? Oder stehen wir letztlich doch immer unter Beobachtung?

Nationale und internationale Künstler*innen verschiedener Sparten befassen sich mit diesen Fragen und entwickeln in den 21 teilnehmenden Kommunen Kunstwerke zu den Themen »Unter Beobachtung« und »Kunst des Rückzugs«. Dabei werden z.B. Überwachungsszenarien (de-)konstruiert, (Selbst-)Inszenierungen von Menschen in der Öffentlichkeit arrangiert, vorhandene Rückzugsorte in den Städten inszeniert oder neue aufgespürt und erschaffen. Leerstehende Gebäude, Brachflächen oder Parkanlagen werden ebenso in Szene gesetzt wie Kirchen, Bushaltestellen oder ein Rathausturm.

In einem regionsweiten Festival, das vom 25. September bis 18. Oktober 2020 stattfindet, werden die Kunstwerke als facettenreiches Themenfeld inszeniert.

Informationen finden Sie auch auf der Homepage der Kulturregion Stuttgart.  

Christian Hasucha »Die Insel«

Eine kleine grüne Insel schwebt über dem Ditzinger Rathausplatz. Auf einem kreisrunden, von Metallstützen getragenen Podest, erhebt sich drei Meter über dem Boden ein künstlicher Rasenhügel. Der Berliner Installationskünstler Christian Hasucha hat diese ungewöhnliche Ergänzung in der Ditzinger Stadtlandschaft vorgenommen. Hasucha selbst ist dort zu Beginn des Festivals anzutreffen. Immer wieder mal klettert er auf den Hügel, packt sein Frühstück aus und blättert durch die Tageszeitung. Auch am Abend kommt er mal vorbei. Mal sieht man ihn gemütlich auf seiner Decke dösend, mal unterm Sonnenschirm in ein Buch vertieft.

Wer über den Ditzinger Rathausplatz schlendert, kommt nicht umhin, die grüne Insel und ihren Bewohner wahrzunehmen. Was tut er da? Und warum? Während die einen ins Grübeln geraten, versuchen die anderen, sich in ihren Alltagsgeschäften nicht stören zu lassen und über den Fremdkörper hinwegzusehen. Seit vielen Jahren experimentiert Christian Hasucha mit Interventionen im öffentlichen Raum. Seine montageartigen Eingriffe lassen bekannte Orte plötzlich fremd erscheinen. In eine durch Routine geprägte Umgebung kommt wieder Bewegung. Durch Störungen verschiebt Hasucha das gewohnte Bild, markiert bestimmte Stellen in der Stadt und macht Orte so neu wahrnehmbar.  

 

Dem grau gepflasterten Rathausplatz pfropft Hasucha eine Grünfläche auf. Er öffnet eine zweite Realitätsebene, nur wenige Meter über dem Boden. Durch den künstlerischen Akt ergänzt er das Gewohnte um eine Alternative. Als Künstler mischt sich Hasucha ins örtliche Leben ein, eignet sich temporär den Stadtraum an. Er fordert nicht nur die vorgefundene architektonische und soziale Situation heraus, sondern  gibt einen Impuls, sich auf etwas Neues einzulassen. Seine Störungen der gewohnten Ordnung sind dabei vor allem als Angebot an Bürgerinnen und Bürger, Passantinnen und Passanten zu verstehen.

Alle ab 14 Jahren sind eingeladen, selbst die Perspektive zu wechseln, den Hügel zu erklimmen – mit vorheriger Buchung über das Reisebüro »Durchblick«. Denn Hasucha möchte nicht nur irritieren, sondern einen Wahrnehmungsraum schaffen und Menschen ermuntern, sich mit der eigenen Stadt auseinanderzusetzen, um vom Beobachter schließlich zum Handelnden zu werden. Seine Kunst versteht er als interaktiv und partizipatorisch. Kein besserer Ort als der Rathausplatz einer kleinen Stadt ließe sich dafür finden. Worum es Hasucha letztlich geht, ist die Bedeutung des Subjektiven in der Öffentlichkeit eines demokratischen Gemeinwesens. 

Reservierungen der Insel sind ab dem 28.9.2020 unter kultur-freizeit-familie(@)ditzingen.de möglich.

Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an das Reisebüro Durchblick in der Marktstraße für die Bereitschaft am Kunstprojekt teilzunehmen und im Vorfeld der Eröffnung die Reservierungen organisiert zu haben.