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Die Wasserversorgung der Stadt Ditzingen - Eine historische Bestandsaufnahme

Rathausbrunnen in der Münchinger Straße, Ditzingen, um 1965
Rathausbrunnen in der Münchinger Straße, Ditzingen, um 1965

Vortrag: 25. Mai 2022, 19.00 Uhr, Rathaus Ditzingen, Bürgersaal

Die Bereitstellung von Trinkwasser ist heute selbstverständlicher Teil öffentlicher Daseinsvorsorge, beschränkte sich im ländlichen Raum aber noch bis weit ins 20. Jahrhundert vielfach auf öffentliche Lauf- und Pumpbrunnen an zentralen Standorten in den Kommunen. Erst ab den 1860er Jahren hielten die Grundzüge moderner Trinkwasserbewirtschaftung in den Städten und schnell auch in den Landgemeinden Einzug und wurden von staatlicher Seite mit der Bereitstellung von Fachpersonal und Know-how aus dem Bauamt für das öffentliche Wasserversorgungswesen (BöW) unterstützt. Neue Anlagen zur Förderung und Verteilung von Wasser, besonders der Bau von Hausleitungen, die Trinkwasser für jedermann zu jeder Zeit in fast unbegrenzter Menge verfügbar machten, haben die Alltagswelt in kaum mehr vorstellbarer Weise verändert. 1873 erhielt Heimerdingen als erste Kommune im Oberamt Leonberg ein modernes Wasserwerk mit Pumpstation und Hochbehälter. Hirschlanden folgte 1903, Ditzingen 1905. Die alten Brunnenstöcke sind nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden oder wurden zu reinen Zierobjekten.

Die rasante Bevölkerungszunahme und der Aufschwung der Wirtschaftswunderjahre führten jedoch zu Versorgungsengpässen und einer angestrengten Suche nach bisher unerschlossenen Grundwasservorkommen. Die in den 1950er und 1960er Jahren neu erschlossenen Tiefbrunnen „Blauäcker“ und „Rauns“ decken in der Kernstadt noch heute rund 40 % der Gesamttrinkwassermenge ab. Der Rest entfällt auf die Bodenseewasserversorgung, die in Hirschlanden seit der Abschaltung der lokalen Quelle Mitte der 1980er Jahre den Bedarf sogar vollständig deckt. Heimerdingen und Schöckingen erhalten ihr Trinkwasser schon seit 1907/08 vom Zweckverband Strohgäuwasserversorgung, der das alte Heimerdinger Wasserwerk im Strudelbachtal übernommen hat und bis heute betreibt.

Bodenfunde und archivische Überlieferung dokumentieren Brunnenstandorte, Quellfassungen und historische Leitungsnetze und zeugen von den versorgungstechnischen Leistungen früherer Zeit. Dr. Florian Hoffmann, Leiter des Ditzinger Stadtarchivs, widmet sich in seinem Vortrag der Entwicklung der Versorgungseinrichtungen in den vier Ortsteilen von den ersten archäologischen und urkundlichen Nachweisen bis zum Anschluss an die Fernwasserversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg.