Haushaltskonsolidierung
Ditzingen muss sparen. Aber warum? Was bedeutet das für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger? Und wo stehen wir heute?
Auf einen Blick
Ditzingen steckt in einer schwierigen finanziellen Situation. Ursache ist vor allem der starke Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen durch die angespannte wirtschaftliche Lage. Gleichzeitig bleiben viele Ausgaben bestehen oder steigen weiter. Deshalb muss die Stadt ihre Ausgaben dauerhaft reduzieren, Einnahmen verbessern und Strukturen überprüfen.
Die Haushaltskonsolidierung in Ditzingen erklärt
Die finanzielle Situation der Stadt Ditzingen hat sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert. Vor allem die Gewerbesteuereinnahmen sind überraschend stark zurückgegangen. Gleichzeitig bestehen viele Ausgaben weiter oder sind gestiegen. Dadurch reicht das Geld, das die Stadt laufend einnimmt, nicht mehr aus, um alle laufenden Ausgaben und notwendigen Investitionen dauerhaft zu finanzieren.
Hohe Einnahmen in guten Jahren
2022 und insbesondere 2023 erzielte Ditzingen außergewöhnlich hohe Gewerbesteuereinnahmen. 2023 waren es rund 80 Mio. Euro. Diese Einnahmen ermöglichten es, Rücklagen aufzubauen sowie wichtige Investitionen zu planen und zu finanzieren.
Deutlicher Einbruch der Gewerbesteuer
Die Gewerbesteuereinnahmen gingen anschließend massiv zurück. Für 2025 waren ursprünglich 40 Mio. Euro eingeplant, tatsächlich wurden nur rund 15,2 Mio. Euro eingenommen.
Ausgaben bleiben bestehen
Viele Ausgaben lassen sich nicht kurzfristig entsprechend reduzieren. Das unterscheidet die öffentliche Verwaltung von der Wirtschaft. Trotz Krise gewährleistet die Kommune weiterhin ihre Aufgaben und kann Kosten nur begrenzt beeinflussen. Zu den Ausgaben gehören beispielsweise Personal, soziale Leistungen, Umlagen und der Betrieb der städtischen Infrastruktur. Gleichzeitig laufen bereits beschlossene Investitionen weiter.
Das wesentliche Kernproblem
Viele kommunale Leistungen und Angebote werden nicht kostendeckend erbracht. Das heißt, dass Gebühren oder andere direkte Einnahmen nicht vollständig ausreichen, um sie zu bezahlen. In den Jahren mit außergewöhnlich hohen Gewerbesteuereinnahmen konnte die Stadt diese Finanzierungslücken auffangen.
Mit dem starken Rückgang der Gewerbesteuer ist das nicht mehr in gleichem Umfang möglich. Die hohen Einnahmen der Vergangenheit haben teilweise verdeckt, dass zwischen den laufenden Einnahmen und den laufenden Ausgaben bereits strukturelle Lücken bestehen.
Haushaltskonsolidierung bedeutet, die Finanzen der Stadt dauerhaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ziel ist es, die laufenden Ausgaben an die dauerhaft verfügbaren Einnahmen anzupassen, die Verschuldung zu begrenzen und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt langfristig zu sichern.
Dabei geht es nicht darum, überall pauschal zu kürzen. Vielmehr müssen Prioritäten gesetzt werden und Strukturen überprüft werden. Welche Aufgaben muss die Stadt erfüllen? Welche Leistungen sind darüber hinaus wichtig? In welchem Umfang können Angebote erbracht werden? Und wo können Aufgaben wirtschaftlicher oder effizienter organisiert werden?
Kurzfristig handeln
Um die finanzielle Situation unmittelbar zu verbessern, wurden bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehörten beispielsweise eine Haushaltssperre, Einsparungen bei Sach- und Dienstleistungen, die Reduzierung oder Verschiebung von Investitionen sowie Anpassungen bei Gebühren und freiwilligen Leistungen. Diese Maßnahmen konnten kurzfristige Entlastungen bewirken. Sie allein reichen jedoch nicht aus, um die strukturellen Finanzierungslücken schließen zu können.
Langfristig Strukturen verändern
Deshalb geht die Haushaltskonsolidierung inzwischen über einzelne Einsparungen oder Erhöhung von Gebühren beziehungsweise Steuern hinaus. Die Stadt überprüft Aufgaben, Standards, Leistungsangebote und Organisationsstrukturen.
Dabei wird unter anderem gefragt:
Welche Aufgaben muss die Stadt erfüllen?
Welche Leistungen sind darüber hinaus wichtig für das Leben in Ditzingen?
In welchem Umfang können diese Leistungen künftig angeboten werden?
Wo können Aufgaben wirtschaftlicher oder effizienter organisiert werden?
Welche Strukturen lassen sich verändern oder vereinfachen?
Ziel ist es, dauerhaft geringere Ausgaben beziehungsweise höhere Einnahmen zu erreichen und nicht lediglich in einem einzelnen Haushaltsjahr zu sparen.
Für diesen Prozess nimmt die Stadt auch externe Unterstützung in Anspruch. Neben der bereits durchgeführten Potenzialanalyse wurde eine Organisationsuntersuchung der Verwaltung beauftragt. Dabei soll untersucht werden, wie die Verwaltung angesichts veränderter Aufgaben, Leistungsstandards und Strukturen künftig effizient organisiert werden kann. Auch die notwendige personelle Ausstattung und mögliche Effizienzgewinne durch Digitalisierung werden dabei betrachtet.
Investitionen priorisieren
Die Stadt Ditzingen investiert weiterhin in wichtige Zukunftsprojekte. Gleichzeitig wurde das gesamte Investitionsprogramm überprüft und deutlich reduziert. Projekte, die nicht zwingend erforderlich sind oder deren Umsetzung zeitlich verschoben werden kann, wurden zurückgestellt oder aufgegeben.
Im Rahmen des ersten Konsolidierungspakets wurde das Investitionsvolumen für die Jahre 2025 bis 2028 um rund 25,6 Millionen Euro reduziert. Statt ursprünglich rund 110 Millionen Euro sind damit noch etwa 59,6 Millionen Euro vorgesehen.
Priorität haben insbesondere Investitionen in Bildung, Betreuung und wichtige Infrastruktur. Dazu gehören beispielsweise die Doris-Leibinger-Schule, die Kita im Neubaugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ und die Südumfahrung Heimerdingen. Andere Vorhaben wurden verschoben, zeitlich gestreckt oder zunächst zurückgestellt.
Warum gibt es trotzdem noch einige Projekte?
Auch in einer angespannten finanziellen Situation kann und will die Stadt nicht auf alle Investitionen verzichten. Entscheidend ist deshalb nicht, ob, sondern in was investiert wird.
Bei der Priorisierung werden unter anderem die Notwendigkeit einer Maßnahme, ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung und ihre zeitliche Dringlichkeit berücksichtigt. So werden wichtige Projekte weitergeführt, während andere Vorhaben zunächst zurückgestellt werden.
Ausgaben reduzieren
Neben der Reduzierung und Priorisierung von Investitionen setzt die Stadt auch bei den laufenden Ausgaben an. Ziel ist es, Aufwendungen dauerhaft zu senken, ohne notwendige Leistungen der Stadt infrage zu stellen.
Bereits im Rahmen der Haushaltssperre wurden Ausgaben in vielen Bereichen reduziert. Besonders bei Sach- und Dienstleistungen konnten Einsparungen erzielt werden. Dazu gehören beispielsweise die Unterhaltung von Gebäuden und Außenanlagen, Ausgaben für bewegliches Vermögen sowie weitere laufende Sach- und Dienstleistungsaufwendungen. Im Jahr 2025 lagen diese Aufwendungen dadurch rund 4,9 Millionen Euro unter dem ursprünglichen Planansatz.
Auch bei den Personalaufwendungen wurden Einsparungen erzielt. Für 2026 weist die aktuelle Hochrechnung beispielsweise 1 Million Euro geringere Personalaufwendungen gegenüber der ursprünglichen Planung aus. Das liegt insbesondere daran, dass Wiederbesetzungen oder Neueinstellungen auf die absolute Notwendigkeit begrenzt wurden.
Darüber hinaus werden laufende Ausgaben in allen Bereichen der Stadtverwaltung und ihrer Einrichtungen überprüft. Dabei geht es nicht nur darum, weniger auszugeben, sondern auch darum, Aufgaben wirtschaftlicher zu erledigen und vorhandene Mittel gezielter einzusetzen.
Warum wird nicht einfach überall weniger ausgegeben?
Die Möglichkeiten für weitere pauschale Kürzungen sind begrenzt. Viele Ausgaben entstehen durch gesetzliche Verpflichtungen, bestehende Verträge oder notwendige Leistungen der Stadt. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Einsparungen umgesetzt. Deshalb rücken zunehmend strukturelle Veränderungen in den Mittelpunkt: Es geht darum, wie Aufgaben künftig organisiert und Leistungen erbracht werden, nicht nur darum, einzelne Haushaltspositionen zu kürzen.
Städtische Angebote und Leistungen überprüfen
Nicht alle Leistungen der Stadt sind gesetzlich vorgeschrieben. Gerade bei freiwilligen Aufgaben hat die Stadt deshalb Gestaltungsspielraum. Angesichts der schwierigen Haushaltslage müssen jedoch gerade diese Leistungen überprüft und teilweise neu bewertet werden, da sie nicht gesetzlich zwingend zu erfüllen sind.
Dabei stellt sich nicht nur die Frage, ob eine Leistung angeboten wird, sondern auch, in welchem Umfang, in welcher Qualität und auf welche Weise sie künftig erbracht werden kann.
Im Rahmen der Konsolidierung wurden deshalb bereits verschiedene städtische Angebote angepasst. Dazu gehören beispielsweise Veränderungen bei Veranstaltungen und Märkten, beim Babybegrüßungspaket, bei Zuschüssen und Mitgliedschaften sowie bei den Aufwendungen für Städtepartnerschaften.
Weitere Angebote und Leistungen werden derzeit hinsichtlich ihres Umfangs, ihrer Kosten und möglicher Alternativen überprüft. Dabei geht es darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der finanziellen Leistungsfähigkeit und dem Anspruch an eine lebenswerte Stadt zu finden.
Was bedeutet „freiwillige Aufgaben“?
„Freiwillig“ bedeutet, dass die Stadt gesetzlich nicht verpflichtet ist, eine bestimmte Leistung anzubieten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Leistung unwichtig oder verzichtbar ist. Viele freiwillige Angebote tragen wesentlich zur Lebensqualität, zum sozialen Miteinander und zur Attraktivität Ditzingens bei.
Gleichzeitig bieten freiwillige Leistungen grundsätzlich Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung. Ihr Einsparpotenzial allein reicht jedoch nicht aus, um die strukturellen Probleme des städtischen Haushalts zu lösen. Deshalb müssen auch Pflichtaufgaben, Standards, Gebühren, Investitionen und die Organisation der Verwaltung betrachtet werden.
Gerade deshalb sind Entscheidungen über freiwillige Leistungen schwierig: Die Stadt muss abwägen, welche Angebote auch unter den veränderten finanziellen Rahmenbedingungen erhalten bleiben können und wo Einschränkungen notwendig sind.
Einnahmen verbessern
Auch die Einnahmen werden überprüft. Ziel ist es, vorhandene Einnahmemöglichkeiten besser auszuschöpfen und dort, wo Leistungen der Stadt angeboten werden, deren Finanzierung angemessen zu berücksichtigen. Dazu werden unter anderem Gebühren und Entgelte angepasst. Auch weitere Einnahmemöglichkeiten werden betrachtet. So wurden beispielsweise die Essensgebühren in Kitas und Schulmensen angepasst.
Gleichzeitig muss die Stadt darauf achten, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen nicht übermäßig zu belasten. Einnahmeerhöhungen können deshalb nur ein Teil der Lösung sein. Sie müssen gemeinsam mit Einsparungen, der Priorisierung von Investitionen und strukturellen Veränderungen betrachtet werden.
Ziel ist es deswegen, die Einnahmen dauerhaft zu verbessern, ohne die Leistungsfähigkeit und Attraktivität Ditzingens als Wohn- und Wirtschaftsstandort aus dem Blick zu verlieren.
Strukturen ändern
Neben konkreten Einsparungen und Anpassungen bei einzelnen Leistungen geht die Haushaltskonsolidierung zunehmend an die Strukturen der Stadtverwaltung und ihrer Einrichtungen. Ziel ist es, Aufgaben künftig effizienter zu organisieren und vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen.
Dabei werden unter anderem folgende Fragen betrachtet:
Können Aufgaben wirtschaftlicher oder mit weniger Aufwand erledigt werden?
Wo können Angebote und Strukturen zusammengeführt oder zentralisiert werden?
Welche Aufgaben können digital erledigt werden?
Welche Leistungen müssen weiterhin in der bisherigen Form vor Ort angeboten werden?
Welche personelle Ausstattung ist für die künftigen Aufgaben tatsächlich erforderlich?
Ein Beispiel dafür ist die dezentrale Struktur der städtischen Angebote. Bürgerservice, Verwaltungsstellen und Bibliotheken gibt es bislang in allen Ortsteilen. Im Rahmen der Konsolidierung wird geprüft, wie diese Angebote künftig organisiert und stärker gebündelt werden können.
Auch die Verwaltung selbst wird näher betrachtet. Eine Organisationsuntersuchung der soll zeigen, wie Aufgaben, Leistungsumfang, Organisation und Personal künftig effizienter aufgestellt werden können. Dabei werden auch Möglichkeiten der Digitalisierung berücksichtigt. Dabei geht es nicht pauschal darum, Personal oder Standorte abzubauen. Ziel ist es, die Verwaltung so zu organisieren, dass sie ihre Aufgaben auch mit dauerhaft geringeren finanziellen Spielräumen zuverlässig erfüllen kann und trotzdem den Bedürfnissen der Menschen vor Ort gerecht wird.