Informationen zu wichtigen Personen der Stadtgeschichte
Zahlreiche Persönlichkeiten, die über ihre engere Heimat hinaus bekannt wurden, wurden in Ditzingen oder seinen Ortsteilen geboren bzw. haben dort über einen längeren Zeitraum gelebt und gewirkt. Der Gemeinderat beschloss 2022, für einige von ihnen Informations- und Gedenktafeln am Geburts- bzw. Wohnhaus anbringen zu lassen:
- Heinrich Eberhardt (1919-2003), Maler, Graphiker und Kunstpädagoge
- Karl Feucht (1893-1954), Mechaniker und Polarflieger
- Theodor Heuglin (1824-1875), Forschungsreisender und Ornithologe
- Konrad Kocher (1786-1872), Komponist und Kirchenmusiker
- Andreas von Renner (1814-1898), württ. Finanzminister, Ehrenbürger von Ditzingen
- Christoph Dionysius von Seeger (1740-1808), Intendant und Organisator der Hohen Karlsschule
- Karl Siegle (1881-1947), Politiker und Gewerkschaftsfunktionär
- Erwin Starker (1872-1938), Landschaftsmaler
Ehrenbürger der Stadt Ditzingen
1936-2025
Kommunalpolitiker, Bürgermeister und Oberbürgermeister
Als langjähriger Bürgermeister von Hirschlanden und späterer Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Ditzingen hat Alfred Fögen über mehrere Jahrzehnte die Entwicklung der Stadt und ihrer Teilorte maßgeblich geprägt. Mit der nach ihm benannten Alfred-Fögen-Halle hat er ein bleibendes Zeichen im öffentlichen Leben der Stadt hinterlassen.
Alfred Fögen wurde am 20. März 1936 in Trier geboren. Er schlug die Laufbahn des gehobenen Verwaltungsdienstes ein und war nach dem Prüfungsabschluss von 1958 bis 1962 als Regierungsinspektor beim Oberschulamt Nordwürttemberg tätig.
1961 kandidierte er im Alter von 25 Jahren bei der Bürgermeisterwahl der damals noch selbständigen Gemeinde Hirschlanden und trat das Amt am 19. Februar 1962 an. Unter seiner Führung wandelte sich Hirschlanden vom Dorf mit rund 1.200 Einwohnern zur Großgemeinde mit über 5.000. In diese Zeit fielen der Bau des Schulzentrums (heute Theodor-Heuglin-Schule, 1966), die Ortskernsanierung, die Industrieansiedlung im Gewerbegebiet „Lange Äcker“ sowie mehrere Neubaugebiete. 1969 wurde Fögen auf weitere zwölf Jahre wiedergewählt; von 1973 bis 1979 gehörte er dem Kreistag Ludwigsburg an.
Mit der kommunalen Neuordnung wurde Hirschlanden 1975 in die Gesamtstadt Ditzingen eingegliedert; Fögen schied aus seinem Bürgermeisteramt aus. Bei der anschließenden OB-Wahl unterlag er Alois Lang knapp (47,80 zu 51,43%). In den folgenden Jahren betätigte er sich in der Immobilienbranche; 1980 wurde er in den Ditzinger Gemeinderat und den Ortschaftsrat Hirschlanden gewählt.
Als OB Alois Lang 1980 infolge einer Immobilienaffäre aus dem Amt entlassen wurde, bewarb sich Fögen erneut. Nach dem Freitod des zwischenzeitlich gewählten SPD-Kandidaten Volker Baehr war eine weitere Neuwahl erforderlich; dabei setzte sich Fögen gegen Günther Oettinger durch und übernahm am 1. Januar 1982 das Amt des Oberbürgermeisters. Seine Aufgabe beschrieb er mit Nüchternheit: „Normalität ist immer das Beste.“
In den 17 Jahren seiner Amtszeit entstanden prägende Projekte: 1989 das Neue Rathaus mit Bürgersaal, die Neugestaltung des Laienplatzes mit Stadtbibliothek und Stadtmuseum sowie der Bau der Westumfahrung zur Verkehrsentlastung. Ein besonderes Anliegen war ihm das Zusammenwachsen der vier Stadtteile. 1999 stellte er sich nicht mehr zur Wahl; sein Nachfolger wurde Michael Makurath.
Für seine Verdienste wurde Alfred Fögen vielfach geehrt: 1996 mit dem Verdienstkreuz am Bande sowie dem Ehrenbürgerrecht der ungarischen Partnerstadt Gyula, 1999 mit der Goldenen Ehrennadel des Gemeindetags Baden-Württemberg für 30 Jahre Bürgermeisteramt. Anlässlich seiner Verabschiedung verlieh ihm der Gemeinderat das Ehrenbürgerrecht der Stadt Ditzingen. 2011 wurde die Sporthalle Seehausen in Alfred-Fögen-Halle umbenannt.
Alfred Fögen starb am 22. August 2025 im Alter von 89 Jahren. Seine Weggefährten beschrieben ihn als bescheidenen Verwaltungsfachmann und bürgernahen Kommunalpolitiker, der mit Ausdauer und Weitblick die Grundlagen für die heutige Stadtstruktur Ditzingens gelegt hat.
1930-2018
Unternehmer, Ingenieur und Mäzen
Mit dem Weltkonzern TRUMPF SE + Co. KG beherbergt Ditzingen einen der bedeutendsten Werkzeugmaschinen- und Lasertechnologiehersteller der Welt. Den Aufstieg vom regionalen Mittelständler zum globalen Technologieführer hat vor allem eine Persönlichkeit geprägt: Prof. Dr.-Ing. E.h. Berthold Leibinger, der als Lehrling bei TRUMPF begann und das Unternehmen zu einem der innovativsten Industrieunternehmen Deutschlands formte.
Berthold Leibinger wurde am 26. November 1930 in Stuttgart geboren und wuchs in Korntal auf, wo seine Familie in der pietistisch geprägten Brüdergemeinde verwurzelt war. Leibinger legte 1950 das Abitur ab und begann eine Mechanikerlehre bei der damals noch kleinen Maschinenfabrik TRUMPF in Ditzingen. 1951 wurde er zum Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule Stuttgart zugelassen. Nach Diplom und Heirat mit Doris Leibinger im November 1957 ging das Paar 1958 für drei Jahre in die USA, wo Leibinger als Entwicklungsingenieur bei Cincinnati Milling Machines in Ohio tätig war.
Nach seiner Rückkehr 1961 trat Leibinger erneut bei TRUMPF ein und übernahm die Leitung der Konstruktionsabteilung. Eine seiner frühen Schlüsselerfindungen war die Kopiernibbelmaschine, die ihn in der Fachpresse den Beinamen „Nibblerkönig“ eintrug und TRUMPF erstmals überregionale Aufmerksamkeit verschaffte. Die Lizenzgebühren für seine Patente wandelte er sukzessive in Firmenanteile um. 1966 wurde er Technischer Geschäftsführer und Gesellschafter; nach dem Tod des Firmengründers Christian Trumpf übernahm er 1978 als Vorsitzender der Geschäftsführung die alleinige Unternehmensverantwortung und wurde mit seiner Familie Mehrheitseigentümer.
Die wegweisendste unternehmerische Entscheidung Leibingers war die frühzeitige Hinwendung zur Lasertechnologie Ende der 1970er Jahre. Als einer der ersten Maschinenbauer erkannte er das Potenzial des Lichts als industrielles Werkzeug und investierte konsequent in Laserschneid- und Laserbearbeitungsmaschinen. Aus dieser Vision entstand ein eigenständiger Geschäftsbereich, der TRUMPF bis heute zum Weltmarkt- und Technologieführer in der industriellen Lasertechnologie macht. Mit dem Bau einer Laserfabrik in Ditzingen setzte Leibinger zugleich ein Zeichen für den Standort: Ein flexibles Arbeitszeitmodell, das er mit der Belegschaft aushandelte, verband Investitionssicherheit mit Arbeitsplatzsicherung.
Neben seiner Unternehmensführung übernahm Leibinger zahlreiche Ämter: Von 1985 bis 1990 war er Präsident der IHK Region Stuttgart, von 1990 bis 1992 Präsident des VDMA. Er gehörte den Aufsichtsräten der Deutschen Bank AG und der BMW-AG an und war Aufsichtsratsvorsitzender der BASF SE (1999-2003). 1992 gründete er die Berthold Leibinger Stiftung, die Wissenschaft, Kultur und soziale Projekte fördert; seit 2000 lobt sie den Berthold Leibinger Innovationspreis für angewandte Lasertechnologie aus. 2005 übergab er die Geschäftsführung an seine Tochter Dr. Nicola Leibinger-Kammüller und blieb bis Ende 2012 als Aufsichtsratsvorsitzender der TRUMPF-Gruppe aktiv.
Für seine Leistungen als Unternehmer, Erfinder und Mäzen wurde Leibinger vielfach geehrt. Zu den bedeutendsten Auszeichnungen zählen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, der Werner-von-Siemens-Ring (2005), der Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung für Soziale Marktwirtschaft (2003), der Arthur L. Schawlow Award der Laser-Industrie (2011) und der Aachener Ingenieurpreis (2014). Der japanische Orden der aufgehenden Sonne würdigte sein Engagement für die deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen. Die Stadt Ditzingen verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste. Berthold Leibinger starb am 16. Oktober 2018 in Stuttgart.
* 1953
Politiker, Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Kommissar
Als ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Kommissar ist Günther Oettinger die wohl bekannteste Persönlichkeit, die Ditzingen hervorgebracht hat. Seine politischen Wurzeln liegen fest in der Stadt, in der er aufgewachsen ist und in der er seine erste kommunalpolitische Verantwortung übernahm.
Günther Hermann Oettinger wurde am 15. Oktober 1953 in Stuttgart geboren und wuchs in Ditzingen auf. Sein Vater Hermann Oettinger betrieb dort eine Steuer- und Unternehmensberatungskanzlei und gehörte für die FDP dem Gemeinderat an. Nach dem Abitur 1972 am Gymnasium Korntal-Münchingen studierte Oettinger Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Universität Tübingen. Das Studium der Rechtswissenschaften schloss er 1978 mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab; das zweite Staatsexamen legte er 1982 ab. Anschließend war er als Assessor bei einem Wirtschaftsprüfer und Steuerberater tätig, bevor er 1984 als Rechtsanwalt in die väterliche Wirtschaftsprüfer- und Anwaltskanzlei eintrat, an der er seit 1988 als Mitinhaber und Geschäftsführer fungierte. Den Anwaltsberuf übte er bis 2005 parallel zu seinen politischen Mandaten aus.
Bereits in jungen Jahren zog es Oettinger in die Politik. Im Alter von 14 Jahren trat er der Jungen Union bei. Mit 21 Jahren trat er der CDU bei. 1977 gründete er in Ditzingen einen Ortsverband der Jungen Union und übernahm den Vorsitz der CDU Ditzingen, den er bis 1985 innehatte. Von 1979 bis 1993 war er Kreisrat im Landkreis Ludwigsburg. Von 1980 bis 1994 gehörte er dem Gemeinderat der Stadt Ditzingen an, ab 1982 als Vorsitzender der CDU-Fraktion. 1980 und 1981 kandidierte er zweimal um das Amt des Ditzinger Oberbürgermeisters, unterlag jedoch zunächst dem SPD-Kandidaten Volker Baehr und bei der anschließenden Neuwahl im Dezember 1981 dem ehemaligen Hirschlander Bürgermeister Alfred Fögen. Von 1983 bis 1989 stand Oettinger an der Spitze der Jungen Union Baden-Württemberg als deren Landesvorsitzender.
1984 zog er als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Vaihingen in den Landtag von Baden-Württemberg ein, dem er bis 2010 angehörte. Unter Ministerpräsident Erwin Teufel wurde er im Januar 1991 zum Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion gewählt und bekleidete dieses Amt bis April 2005. In dieser Zeit galt er als enger Weggefährte Teufels und profilierte sich als einer der führenden Köpfe der Landes-CDU. Von 2001 bis 2005 war er zudem Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Nordwürttemberg sowie Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Medienpolitik der CDU Deutschland.
Am 21. April 2005 wurde Oettinger vom Landtag zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt und trat damit die Nachfolge Erwin Teufels an. Gleichzeitig übernahm er den Landesvorsitz der CDU Baden-Württemberg, den er bis November 2009 innehatte. Zu seinen erklärten Schwerpunkten gehörten Wirtschaft und Arbeit sowie Familie und Bildung. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Mitarbeit an der Föderalismusreform II als Ko-Vorsitzender der entsprechenden Bund-Länder-Kommission (2007-2009). 2010 folgte ihm Stefan Mappus im Amt des Ministerpräsidenten nach.
Von 2010 bis 2019 gehörte Oettinger der Europäischen Kommission an: zunächst als Kommissar für Energie (2010-2014), dann als Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft (2014-2016) und zuletzt als Kommissar für Haushalt und Personal (2017-2019). Seit 2021 ist er Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden.
Für seine Verdienste wurde Oettinger mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Im Jahr 2020 verlieh ihm der Gemeinderat der Stadt Ditzingen das Ehrenbürgerrecht in Anerkennung seiner herausragenden politischen Laufbahn und seiner lebenslangen Verbundenheit mit seiner Heimatstadt.