Stadt Ditzingen

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Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum - "Mühlen in Ditzingen"

Mühlen sind fester Bestandteil unserer in Jahrhunderten gewachsenen Kulturlandschaft. Sie gehören wie die Kirche und das Rathaus zum Bauerndorf. Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Ditzingen standen bis zu 10 Mühlen an den Bächen und wurden vom Wasser angetrieben. Darüber hinaus gab es von Tieren oder mit Muskelkraft angetrieben Kleinmühlen. Ende des 19. Jahrhunderts kamen von Dampfmaschinen oder Motoren angetriebene Mühlen hinzu. In den Mühlen wurden Körner, Ölsaaten und Baumrinde für die Gerber gemahlen. Auch eine Sägmühle wurde im waldfreien Ort Ditzingen betrieben. Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde an der Glems, allerdings auf Münchinger Markung, der erste Strom für die Versorgung der Strohgäugemeinden in einer umgebauten Mühle erzeugt. Die Heimerdinger Haldenwaldmühle wurde 1909 zum Pumpwerk für die Strohgäuwasserversorgung umgebaut.
Heute stehen noch vier aktive Mühlenbetriebe an der Glems. Mit der Ölmühle beim Ditzinger Bahnhof sorgen sie dafür, dass das Getreide der Strohgäubauern vor Ort verarbeitet werden kann und handwerkliche Spitzenprodukte regional vermarktet werden können.
Die historischen Mühlen sind also heute mehr als technische Denkmale. Es sind moderne Wirtschaftsbetriebe, die sich im Wettbewerb behaupten müssen.
Mit unserer Ausstellung werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte der Ditzinger Mühlen.
Artefakte von einfachen Mühlen aus der „Steinzeit“ stehen am Beginn der Ausstellung. Die historischen Mühlenstandorte treten uns erstmals in Lagerbüchern des 14. Jahrhunderts entgegen. Aus dem 15. Jahrhundert sind Besonderheiten aus der Geschichte der heutigen „Schlossmühle“ überliefert. Der bedeutende Humanist Johannes Reuchlin hatte über seine erste Ehefrau Besitzanteile an der Mühle erworben. Der „Doktorin Gut“, wie es in den Akten genannt wird, war ein Refugium für den umtriebigen Wissenschaftler, der hier in Ditzingen einen Ort für die Besinnung suchte. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die „Württembergische Müllerordnung“, in der das Verhältnis der Müller zu den „Mahlkunden“ und die Anlage der Mühlen streng geregelt wurden. Berichte aus dem Kirchenkonventsprotokollen belegen die Geschäftstüchtigkeit der Müller, die trotz aller Verbote auch am Sonntag die Mühle in Gang brachten, wenn denn mal genügend Wasser im Sommer im Bach war.
Im 18. Jahrhundert siedelten Gerber im Dorf. Für ihr Handwerk benötigten sie das Wasser der Glems und Lohe, gemahlene und getrocknete Baumrinde. Im Mündungsbereich des Beutenbaches errichteten sie ein Loh- und Ölmühle. Diesen Eingriff in die Glemsaue begleiteten die Ditzinger Bauern mit großem Misstrauen, befürchteten sie doch eine Überschwemmung ihrer Wiesen durch das aufgestaute Wasser des Beutenbaches.
Im 19. Jahrhundert kamen weitere Mühlenstandorte hinzu. Ölsaaten versprachen ein gutes Geschäft und die Zimmerleute im Ort waren an gesägtem Bauholz interessiert. Am Ende des Jahrhunderts versuchte man, durch den Einsatz von Dampfmaschinen die Abhängigkeit vom Wasserstand der Bäche zu verringern und durch den Einbau von größeren und breiteren oberschlächtigen Mühlrädern die Wasserkraft besser zu nutzen.
Der technische Fortschritt war nicht aufzuhalten. Die Stromerzeugung wurde als neues Geschäftsfeld von den Mühlen entdeckt. Gleichzeitig war die Entwicklung leistungsfähiger Turbinen auch für geringe Wassermengen weiter fortgeschritten. So verdrängten recht schnell die unsichtbaren Turbinen die großen Mühlräder. Der traditionelle Mahlgang mit Mühlsteinen wurde durch gusseiserne Walzen ersetzt.

Die Ausstellung „Mühlen in Ditzingen“ gibt Einblicke in die Geschichte und die Funktionsweise der vielen Mühlen an den Ditzinger Bächen. Im Mittelpunkt stehen die Modelle von Mahl-, Säg und Ölmühle sowie Mahlsteine aus der Steinzeit.
Fotos, historische Dokumente, Informationen und Produkte der heute noch tätigen Mühlen dokumentieren die vielfältigen Tätigkeiten der Mühlen im Laufe der Jahrhunderte. Eine lebendige Fotodokumentation der Fotogruppe im Bürgertreff „Adler“ gibt Einblicke in die Arbeit der noch aktiven Mühlen.
Die Ausstellung wird am
Freitag, 15. März, um 19.00 Uhr im Stadtmuseum eröffnet.
Die Bevölkerung ist dazu herzlich eingeladen.
Die Ausstellung ist bis zum 2. Juni zu sehen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 14-17 Uhr.
Der Eintritt ist frei
Informationen und Führungen: Tel.: 07156 164308; Mail schreiben 

Plakat der Ausstellung
Plakat der Ausstellung