Stadt Ditzingen

Seitenbereiche

Volltextsuche

Wichtige Links

Schriftgröße Kontakt | Inhalt
APP Button
Fairtrade Stadt
Fairtrade Stadt
RSS-Feed Icon

Seiteninhalt

Schöckingen

Schöckingen ist eine kleine Ortschaft im fruchtbaren Strohgäu...

... die auch heute noch etwas besonderes darstellt. Der Flecken hat heute wenig mehr als 1.500 Einwohner bei einer Markungsfläche von 590 Hektar. Davon sind etwa 100 Hektar Waldfläche. Der relative Wohlstand, der den Ort seit jeher auszeichnete, hatte über Jahrhunderte seine Ursache in den guten Böden und im umfangreichen Waldbesitz. Heute sind es Werte wie Ruhe, Nähe zur Natur und Überschaubarkeit, die den Wohnort Schöckingen so beliebt machen. Der bemerkenswerteste Teil des Ortes ist der alte Ortskern. Um die leicht geschwungene Schlossstraße kann man heute ein Musterbeispiel für eine gelungene Dorfsanierung besichtigen.

Schlossstraße Schöckingen
Schlossstraße Schöckingen
Schöckinger Schloss
Schöckinger Schloss

Von 814 bis 1500

Schöckingen wird erstmals im Jahre 814 im „Lorscher Codex“ erwähnt. Im Mittelalter gehörte es zum Einflussbereich der Herren der benachbarten Nippenburg. Da sie sich weigerten, die Reformation in Schöckingen einzuführen, erlebte der Ort eine längere katholische Zeit als andere Orte im Strohgäu. Schließlich wurden die Nippenburger gewaltsam zur Einführung der Reformation gezwungen und letztlich von der württembergischen Landesherrschaft aus dem Ort gedrängt. Das Schlosslehen und die Ortsherrschaft gingen im 17. Jahrhundert an die Freiherren von Gaisberg. Die Schlossanlage ragt mit seinen eindrucksvollen Gebäuden aus dem 15 - 18 Jahrhundert aus dem Ensemble der alten Bauernhäuser deutlich heraus. Die burgartige Schlossanlage, die teilweise noch von einem Graben umgeben ist, besteht heute aus mehreren Gebäudekomplexen.

Das Fachwerk-Torhaus mit seinem Krüppelwalmdach stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das spätgotische Spitzbogentor ist mit dem Jahr 1430 datiert. Die Wappentafeln zeigen die Wappen des Hans von Nippenburg genannt Schlegel und seiner Ehefrau, Margarete von Heimerdingen. Das rechts von der Einfahrt gelegene Gebäude, oder "Neues Schloss", wurde 1566 vollendet. Nach der teilweisen Zerstörung durch einen Blitzschlag im Jahre 1740 wurde der heutige verputzte Fachwerkbau erstellt. Weitere Veränderungen wurden Ende des 18. und 19. Jahrhunderts vorgenommen.

Auf der Hofrückseite befinden sich die ehemaligen Wirtschaftsgebäude. Bemerkenswert sind der Ostgiebel mit Maßwerkreliefs und der Westgiebel mit einer Renaissance-Fassade mit geschwungenen Ortgängen und Lisenen. Der Anbau, genannt die "Hintere Kelter", stammt aus dem Jahre 1763. Das im Hof stehende Maiereihaus, erbaut um 1800, ein verputzter, zwei-geschossiger Fachwerkbau rundet das Schlossareal, das sich im Privatbesitz befindet, ab. Die ev. Pfarrkirche St. Mauritius ist ein kunstgeschichtliches Kleinod. Die Kirche „St. Mauritius“ wird im Jahr 1267 anlässlich der Altarweihe erwähnt. Der Chor stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Ein mit dreiseitig geschrägten Rippen belegtes Kreuzgewölbe überspannt den Chor, getragen von zwei erhaltenen Säulen mit spätromanischen Kapitellen. Frühgotisch hingegen ist ein kleines vermauertes Spitzbogenfenster in der Ostwand. Das große, wiederum spätgotische Südfenster weist Steinmetzzeichen eines Mitarbeiters von Aberlin Jörg auf, die u.a. auch an der Konstanzer Kirche in Ditzingen und der Stuttgarter Hospitalkirche wiederzufinden sind.

Etwa in den Jahren 1470 bis 1480 wurde nördlich des Chors der Kirchturm erbaut. Das Schild am Kreuzrippengewölbe im Sakristeigeschoss des Turmes zeigt die Wappenfigur der Herren von Venningen, die 1479 und 1485 ihren Schöckinger Besitz an die Herren von Nippenburg verkauften. Bemerkenswert sind auch die Steinepitaphe des Martin von Nippenburg und seiner Frau, Maria Salome von Raischach, die vermutlich aus der Werkstatt des Jeremias Schwarz aus Leonberg stammen. Unterhalb des Sakristeigeschosses befindet sich ein durch eine Rundbogentür zugänglicher gewölbter Beinhauskeller. Im Langhaus sind Reste der spätgotischen Ausmalung freigelegt worden, darunter eine Strahlenkranz-madonna, ein Ölberg, die Zehn Gebote und die ägyptischen Plagen. An Ausstattung hat sich erhalten: von einem Altar die Reste einer Predella aus der Zeit um 1430, ein Sakristei-schrank von 1444, ein spätgotischer Taufstein und zwei große gefasste Holzfiguren der gekrönten Muttergottes und des hl. Mauritius.

Geschichte der Gebäude und die Neuzeit

Wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind die Fachwerkgebäude auf der Westseite der Schlossstraße: das Alte Rathaus von 1788 (heute Kulturhaus und Bibliothek), das ev. Pfarrhaus von 1594 und das „Firstständerhaus“ mit Bauelementen aus dem 15. Jahrhundert. Das alte Rathausgebäude der Gemeinde Schöckingen wurde im Jahre 1788 an der Stelle eines baufälligen Vorgängerbaus errichtet. Im hohen gemauerten Massiv-Erdgeschoss wurde im 19. Jahrhundert ein Feuerwehrmagazin eingebaut. Das Fachwerk wurde 1927 freigelegt und das Schöckinger Wappen mit einem Bibelspruch angebracht. Heute wird das Gebäude von der Stadtteilbibliothek und als kultureller Veranstaltungsraum genutzt.

Das Pfarrhaus wurde im Jahre 1594 unter Mitarbeit des Leonberger Steinmetzen Jeremias Schwarz erbaut. Das stattliche Fachwerkhaus dominiert mit seinem weit vorragenden Erker diesen Teil der Schlossstraße. Das massive Erdgeschoss mit seinen Eckquadern zeigt Spätrenaissanceprofile und eine reich verzierte Türrahmung mit der Jahreszahl 1594. Zum Pfarr-hof gehört das ehemalige Wasch- und Backhaus von 1786. Im Pfarrhaus wurde Christoph Dionysius von Seeger, der Gründungsrektor der Hohen Carlsschule in Stuttgart, am 7.Oktober 1740 geboren. Das „Firstständerhaus“ (Schlossstraße 24), ein giebelständiges Fachwerkhaus, zeigt im äußeren Erscheinungsbild ein Fachwerk des 18. Jahrhunderts und einen zweiläufigen, überdachten Treppenaufgang. Dieses wurde vor ein Haus in Firstständerbauweise von 1450 gestellt, eine an Wohnhäusern in Württemberg nur noch ganz selten dokumentierbare hochmittelalterliche Art der Konstruktion, bei der ein Firstständer aus einem Baumstück vom Erdgeschoss bis zur Firstpfette senkrecht aufgestellt wurde. Das Gebäude wurde 1987 von Grund auf saniert. Dazwischen findet man nicht minder beeindruckende ehemalige Hofanlagen, deren Fachwerkarchitektur ein harmonisches Ensemble bilden.

Das sogenannte Schafhaus (Schlossstraße 30), ein giebelständiger Fachwerkbau mit Zierfachwerk, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert zum Armenhaus des Dorfes umgebaut. Die ehemalige Nippenburgische Hofanlage (Schlossstraße 20), ein zweistockiges Fachwerk-Giebelhaus, wurde im 17./18. Jahrhundert erbaut. Das Wohnhaus ist mit drachenartigen  Holzreliefs geschmückt, die vom Zimmermann Joh. Jacob Ihle angebracht wurden. Der Erker wurde bei der grundlegenden Renovierung im Jahre 1981 angebracht. Das ehemalige Gaisberg'sche Gebäude (Schillerstraße 9), auch "Hinteres Schloss" oder "Großes Haus" genannt, wurde 1754 gebaut. Auf dem gemauerten Erdgeschoss mit Eckquaderung ruhen die beiden verputzten Fachwerkstockwerke. Hofseitig findet man ein prächtiges Rundbogenportal mit einer Wappentafel (F.A.V.G. = Friedrich Albrecht von Gaisberg, 1710 - 1763). Im Gebäude sind noch alte Stuckdecken erhalten. Im Ort sind an vielen Stellen vorbildlich restaurierte und für den heutigen Wohnbedarf angepasste ehemalige Bauernhäuser zu bewundern, wie die Hofanlage Waldstraße 8. Die ehemalige Hofanlage wird 1564 als Widdumhof (Pfarrgut) erwähnt. Der Hof war später Nippenburgischer Besitz und wurde verpachtet und als Erblehen vergeben. Das Gebäude ist bezeichnet 1818 und 1892. Es wurde 1993 von Grund auf saniert. Zur Hofanlage gehört eine Fachwerkscheuer mit Rundbogen-Kellereingang.

Aber es fehlen auch nicht die bewirtschafteten Hofstellen. Der Ort, der seit 1971 zur Stadt Ditzingen gehört, verspricht Ruhesuchenden schöne Spazierwege. Der „Martinshof“, am Dorfrand Richtung Wald gelegen, bietet den Jüngsten Anschauungsunterricht in Sachen Tierkunde. Kulturell bietet der Ort durch seine Vereine und die rege Kirchengemeinde Angebote für jeden. Das Alte Rathaus in der Schlossstraße hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem Kulturzentrum mit Ausstrahlung in die nähere und weitere Umgebung entwickelt. Eine kleine aber gut sortierte Bibliothek bietet den Schöckingern Unterhaltsames, Spannendes und Bildendes. Über Literatur wird regelmäßig geredet.  So mancher Schriftsteller hat dort aus seinen Werken gelesen. Das von einem Kreis engagierter Bürgerinnen und Bürger geleitete Kulturhaus präsentiert abwechslungsreiche Veranstaltungen wie Ausstellungen, Lesungen oder musikalische Darbietungen. Höhepunkt des Jahres ist das nun schon traditionelle Dorffest, bei dem alle Gruppen, Vereine und Institutionen des Ortes gemeinsam vor der Kulisse „ihrer“ Schlossstraße ein buntes zweitägiges Fest feiern.